Bürgerschaftliches Engagement weiterentwickeln.

Bürgerschaftliches Engagement ist wichtig für den gesellschaftlichen Wohlstand und die Zukunft unserer sozialen Netze und sollte daher in allen Kernbereichen unseres Gemeinwesens ganz selbstverständlich präsent sein.

Ein deutliches Zeichen wurde hier mit dem „Runden Tisch Bürgerschaftliches Engagement“ gesetzt: Spitzenverbände der Kommunen und der Freien Wohlfahrtspflege, Kirchen, das LBE und weitere Verbände erarbeiten seit 2009 unter Federführung des Bayerischen Sozialministeriums Konzepte zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements in Bayern. Zudem initiierte das Sozialministerium 2012 den Ehrenamtskongress, der alle zwei Jahre stattfindet und in dessen Rahmen 2016 erstmals der Bayerische Innovationspreis Ehrenamt verliehen wird.

Sichere Rahmenbedingungen schaffen

Bürgerschaftliches Engagement steht auf einer guten Basis: Kirchen, Wohlfahrtsverbände, kommunale Agenda 21 und viele weitere Akteure der Zivilgesellschaft haben durch Leitbildentwicklungen, durch die Einrichtung neuer Anlaufstellen und Infrastrukturen das Bürgerschaftliche Engagement gefördert und weiter verbreitet. Darüber hinaus greift die Politik Empfehlungen aus dem „Engagementbericht der Bundesregierung“ auf, der seit 2009 zu jeder Legislaturperiode vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegeben wird, und verbessert die Rahmenbedingungen ehrenamtlicher Tätigkeiten kontinuierlich durch neue gesetzliche Regelungen zur Unterstützung des Ehrenamts.

Mit der Einführung einer vom LBE geforderten Ehrenamtsversicherung hat das Land Bayern bestehende Lücken im Versicherungsschutz für Unfall- und Haftpflichtrisiken des Ehrenamts abgedeckt. Daneben beschloss die Bundesregierung 2007 mit dem 10-Punkte-Programm „Hilfen für die Helfer“ und 2013 mit dem Ehrenamtsstärkungsgesetz Verbesserungen im steuerlichen Bereich, die insbesondere die klassischen Strukturen ehrenamtlichen Engagements stärken.

Das trägt das Netzwerk dazu bei:

Expertise des LBE in der Bund-Länder-Runde Bürgerschaftliches Engagement sowie in verschiedenen Arbeitsgruppen des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement, des Runden Tischs Bürgerschaftliches Engagement und des Forum Soziales Bayern.

Stabile Finanzierungsgrundlagen ermöglichen

Häufig fehlt für Projekte und Initiativen die Anschlussfinanzierung und die damit verbundene Nachhaltigkeit ihrer Arbeit. Das LBE bemüht sich bei Bund, Ländern und Kommunen um Möglichkeiten für eine dauerhafte Finanzierung von Infrastrukturen.

Kommunale Infrastrukturen einrichten

Jede kreisfreie Stadt, jeder Landkreis sollte eine Anlaufstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe haben, die alle wichtigen Informationen zum Thema Ehrenamt und zu attraktiven Einsatzmöglichkeiten bietet. In größeren Kommunen kann eine differenziertere Unterstützungsstruktur mit Selbsthilfekontaktstellen, Freiwilligenagenturen, Mehrgenerationenhäusern und soziokulturellen Zentren sinnvoll sein, die eng kooperieren, aber ein eigenes, zielgenaues Arbeitsprofil haben. Zu den neueren Formen von Bürgerengagement gehören auch die Bürgerstiftungen, die das Stiften von Geld und Zeit verbinden.

Das trägt das Netzwerk dazu bei:

Unter Anlaufstellen finden Sie alle dem Netzwerk angeschlossenen Einrichtungen über eine regionale Suchfunktion

Engagement im ländlichen Raum stärken

Viele Gebiete im ländlichen Raum sind von den Folgen des demografischen Wandels betroffen. Zur Stärkung der erforderlichen sozialen Netze sind Bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe unerlässlich. Das bayerische Sozialministerium fördert seit 2010 die Gründung von „Koordinierungsstellen Bürgerschaftliches Engagement“ im ländlichen Raum. Modelle und Projekte der Nachbarschaftshilfen sind ebenfalls ein Baustein der ländlichen Entwicklung, der die klassische Vereinslandschaft sinnvoll ergänzen kann.

Das trägt das Netzwerk dazu bei:

  • Mitwirkung an der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum und im Beirat der Schulen der Dorf- und Landentwicklung
  • Vernetzung und Beratung zum Thema Nachbarschaftshilfen und Zeitbanken
  • Kommunal nachhaltig: Bis 2014 koordinierte das LBE das Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommune Bayern. Es unterstützte dessen Mitglieder auf ihrem Weg in die nachhaltige Bürgerkommune und die damit verbundenen Entwicklungsprozesse. Seit Mai 2015 übernimmt das LBE im Autrag des Staatministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz den Aufbau eines "Zentrums für Nachhaltige Kommunalentwicklung in Bayern".

Ihre LBE-Ansprechpartnerinnen: Danielle Rodarius und Julia Stanger

Hauptamtliche für das Freiwilligenmanagement qualifizieren

An Bayerischen Fachhochschulen für Sozialpädagogik und anderen Ausbildungsstätten sozialer Berufe ist es noch immer nicht selbstverständlich, auf den Umgang mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Selbsthilfeaktiven in zukünftigen Berufsfeldern vorzubereiten. Langfristig sollten Methoden des Freiwilligenmanagements und der Selbsthilfeunterstützung grundsätzlich zum Lehrangebot gehören. Zudem könnten in Ausbildungsgängen der öffentlichen Verwaltung Möglichkeiten der Unterstützung Bürgerschaftlichen Engagements Bestandteil des Lehrplans sein.

Das trägt das Netzwerk dazu bei:

  • Initiative zum Fort- und Weiterbildungslehrgang Professionelles Management von Ehrenamtlichen der Hochschulkooperation Ehrenamt: In sieben Modulen werden Entwicklung und Wandel des Ehrenamts aufgezeigt, rund um die Freiwilligenarbeit Methoden zu Management, Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit vorgestellt, Rechtsfragen und ökonomische Grundlagen beleuchtet.
  • Das Landesnetzwerk entwickelte mit Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege für Berufstätige aus dem sozialen Bereich eine berufsbegleitende Qualifizierung zum Thema „Freiwilligenmanagement“, die bedarfsorientiert mit verschiedenen Schwerpunkten angeboten wird. Mehr zu den LBE-Fortbildungen finden Sie hier.
  • Fortbildungsangebote der LBE-Partner: Auch unsere Netzwerkpartner bieten viele Möglichkeiten, sich fortzubilden.

Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche entwickeln

Qualifizierung wird im Bereich des Bürgerschaftlichen Engagements immer wichtiger. Freiwillige wollen ihre mitgebrachten Fähigkeiten sinnvoll einsetzen und für ihre Tätigkeitsfelder erweitern. Daher entwickelt das LBE kontinuierlich neue Angebote zur Qualifizierung Ehrenamtlicher.

Das trägt das Netzwerk dazu bei:

  • LBE-Fortbildungen zu Themen wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Teamarbeit, Projektmanagement, interkultureller Sensibilisierung, Recht im Ehrenamt, Datenschutz und Urheberrecht, die nicht durch bereits bestehende Angebote gedeckt sind.
    Mehr zu den LBE-Fortbildungen finden Sie hier.
    Ihre LBE-Ansprechpartnerin: Susanne Gumbmann 
  • Beratung und Entwicklung von Angeboten zur Besetzung und Qualifizierung von Vereinsvorständen, insbesondere im Rahmen des Projekts Engagement braucht Leadership, das in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung durchgeführt wird.
    Ihre LBE-Ansprechpartnerin: Aline Liebenberg
  • Internetplattform VereinsWiki mit Tipps, Werkzeugen und kurzen Fachinformationen zur Unterstützung der Vorstandsarbeit in Vereinen.
  • „Sich engagieren – aber wie?!“: lagfa bayern und LBE entwickelten gemeinsam das Handbuch für einen Informationskurs, der von Freiwilligenagenturen angeboten werden kann und als Orientierung gedacht ist für Menschen, die an einem ehrenamtlichen Engagement interessiert sind.

Engagement bei Kindern und Jugendlichen anregen

Die Basis für Bürgerschaftliches Engagement wird bereits in jungen Jahren geschaffen. Daher ist es sinnvoll, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Gelegenheit zu bieten, Verantwortung zu übernehmen und sich für das Gemeinwesen zu engagieren. Hier kommt der Schule eine Schlüsselrolle zu. Es gibt an vielen Orten langjährige Projekte, in denen sich Schüler regelmäßig in Altersheimen, Kindergärten oder Behinderteneinrichtungen engagieren können. 

Auch das freiwillige Engagement für Kinder und Jugendliche, beispielsweise durch Lesepaten, Schülercoaches, Ausbildungsbegleiter, hat eine gute Vorbildfunktion.

Das trägt das Netzwerk dazu bei:

  • Tagungen zum Thema „Schule/Kindertagesstätten und Bürgerengagement“
  • Informationen und Vernetzung erfolgreicher Bildungs- und Schülerpatenmodelle in Bayern
  • Beteiligung an Arbeits- und Expertengruppen zur Einführung des Service Learning (Lernen durch Engagement) an Schulen
  • Herausgabe von Publikationen zum Engagement in Kindertagestätten und Schulen
  • Beteiligung am Projekt Campus & Gemeinwesen

Ihre LBE-Ansprechpartnerin: Claudia Leitzmann

Familien und das Zusammenleben der Generationen fördern

Kinder und Familien sind unsere Zukunft. Viele Angebote, wie Mütterzentren und Familienselbsthilfegruppen, wenden sich an junge Familien. Zusammen mit dem Bundesmodellprojekt „Mehrgenerationenhaus“ und den vorhandenen „Bündnissen für Familien“ bzw. „Familientischen“ besteht eine gute Ausgangsposition für die Unterstützung von Familien und das Zusammenleben von Generationen. 



Das trägt das Netzwerk dazu bei:

  • Auf Initiative des LBE wurde das Netzwerk Familienpaten gegründet: Bayernweit sollen Familienpatenschaften mit einheitlichen Qualitätsstandards aufgebaut und begleitet werden.
  • Veröffentlichung des „kleinen Handbuchs für Erzieherinnen und Erzieher“ mit Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Große für Kleine“ zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements in Kindertageseinrichtungen.
  • Online-Handbücher zu „Große für Kleine“.

Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund unterstützen

Bürgerschaftliches Engagement ist sowohl Indikator als auch Motor für eine gelungene Integration. Lange wurde nur das Engagement für Migrantinnen und Migranten wahrgenommen. In den letzten Jahren ist nun die Aufmerksamkeit für das vielfältige zivilgesellschaftliche Engagement von Migrantinnen und Migranten selbst in Nachbarschaft, Communities, Migrantenvereinen, in Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräten sowie in Projekten der Mehrheitsgesellschaft gewachsen. Entsprechend steigen auch die Erwartungen an ehrenamtlich engagierte Migranten und an ihre Organisationen. Damit sich diese als zivilgesellschaftliche Akteure auf Augenhöhe beteiligen können, ist eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für ihr Engagement erforderlich.

Das trägt das Netzwerk dazu bei:

  • Die Projekte gemeinsam engagiert und Empowerment und Partizipation, getragen von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Bayerns (AGABY) und vom LBE, boten Unterstützung und Beratung für das Engagement und die Beteiligung von ehrenamtlich engagierten Migranten und -organisationen.
  • Modellprojekt "MitMischen", zur weiteren Verbesserung der Engagement fördernden Rahmenbedingungen für Migrantinnen und Migranten, gefördert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge,

Ihr LBE-Ansprechpartner: Torsten Groß und Aline Liebenberg

Öffentliche Anerkennung einfordern

Der „Bürgerkulturpreis des Bayerischen Landtags“ und der Ehrenamtsempfang des Ministerpräsidenten sind wichtige Formen öffentlicher Wertschätzung. Weitere Beiträge zur Anerkennung für freiwilliges Engagement leisten die Ehrenamtskarte und der Ehrenamtsnachweis.

Das trägt das Netzwerk dazu bei:

  • Beratung bei der Umsetzung des Ehrenamtsnachweis Bayern, der unter anderem für Bewerbungen genutzt werden kann.
    Ihre LBE-Ansprechpartnerin: Susanne Gumbmann
  • Information und Beratung von Presse, Funk und Fernsehen bei der Produktion von Beiträgen zum Thema Ehrenamt, zum Beispiel für die „Themenwoche Bürgerschaftliches Engagement“, die die ARD 2009 erstmals organisierte.
    Ihre LBE-Ansprechpartnerin: Claudia Leitzmann

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft stärken

In vielen Bereichen der Wirtschaft besteht in Deutschland Mäzenatentum und Sponsoring auf hohem Niveau. Lokale Ereignisse, Vereine und Initiativen werden insbesondere von ortsansässigen Unternehmen unterstützt. Darüber hinaus wächst das Interesse an „Corporate Volunteering“, mit dem Unternehmensmitarbeiter pro bono Wissen und Arbeitszeit für gemeinnützige Einrichtungen zur Verfügung stellen. Für diese neuen Formen muss weiterhin geworben werden, um eine gegenseitige „Win-win-Situation“ zu schaffen.
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