Individualisierung

Mittlerweile spricht man von drei großen Trends gesellschaftlicher Veränderungen: →Globalisierung, Lokalisierung und Individualisierung. Den Individualisierungsbegriff mit drei „Dimensionen“ führte der Soziologe Ulrich Beck in den 1980er Jahren in die sozialwissenschaftliche Diskussion über gesellschaftliche Modernisierungsprozesse ein: Die „Freisetzungs-Dimension“ beschreibt die „Herauslösung der Menschen aus traditionellen und historisch vorgegebenen Sozialformen und -bindungen im Sinne traditionaler Herrschafts- und Versorgungszusammenhänge“. Die „Entzauberungsdimension“ bezieht sich auf den „Verlust von traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen“, und die „Kontroll- und Reintegrationsdimension" beinhaltet „eine neue Art der sozialen Einbindung durch Institutionen“ (Beck 1986).

Eine Folge der Individualisierung ist die Pluralisierung von Lebensstilen: Als selbstverständlich empfundene Lebensformen und Überzeugungen verlieren an Bedeutung, Lebenslagen und Biographiemuster verändern sich. Traditionelle Institutionen und klassische Rollenmuster sind im Wandel begriffen und büßen damit an Orientierungskraft ein: „Normalbiographien werden zu Wahlbiographien“. Das bedeutet, Lebensläufe werden vielfältiger, widersprüchlicher und unsicherer. Statt „traditionsbestimmter sozialer Vorgaben“ wird die „kreative Nutzung individueller, sozialer und ökonomischer Ressourcen“ wichtig (Keupp). So spielen auch soziale Netzwerke eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung persönlicher Lebensläufe – sie sind nicht mehr selbstverständlich, sondern müssen aktiv aufgebaut werden. Im Kontext dieser Entwicklungen wird Bürgerschaftliches Engagement zu einer wichtigen Stütze der Gesellschaft für diejenigen, die nicht ausreichend in soziale Netze eingebunden sind, und es bietet gleichzeitig einen Raum für Eigenverantwortung und die Verbindung von gemeinnützigen Handlungen mit Selbstfindungsprozessen.

Weiterführende Literatur:
Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1986
Heiner Keupp: Eine Gesellschaft der Ichlinge? Zum bürgerschaftlichen Engagement von Heranwachsenden. München: 2001

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