Soziales Kapital

Den Begriff des Sozialen Kapitals hat der Harvardprofessor Robert D. Putnam mit seinem folgenreichen Aufsatz "Bowling Alone" weltweit bekannt gemacht. Die These ist: Soziale Netzwerke und die damit zusammenhängenden Normen und Formen der Gegenseitigkeit bilden eine Art Energiereserve, die sich nicht nur auf das individuelle Wohlbefinden, sondern auch auf die Stabilität einer Gesellschaft auswirken kann. Soziales Kapital kann genauso wie Humankapital oder technische Investitionen zur Quelle von Werten werden. In empirischen Untersuchungen zeigte Putnam, dass bei einer hohen Dichte sozialer Netzwerke und sozialer Kontakte zwischen Menschen das gesellschaftliche Risiko von Arbeitslosigkeit, politischer Korruption, Zivilisationserkrankungen oder Drogenabhängigkeit vermindert werden kann.

Deshalb, so Putnams Schlussfolgerung, sollte eine Gesellschaft in soziales Kapital und insbesondere in Infrastrukturen investieren, die soziales Kapital erhalten oder vermehren können: Dazu gehören Familien, Vereine und andere Formen der Vergemeinschaftung. Putnam konstatiert, dass die Bindungskraft Sozialen Kapitals in den letzten Jahrzehnten vor allem in den reichen Ländern des Westens abgenommen habe. Umso mehr seien die politisch Verantwortlichen gefordert umzusteuern, indem sie eine Politik der Unterstützung und Stärkung sozialer Netzwerke betreiben. Soziales Kapital ist allerdings nicht an sich moralisch gut. Es gibt auch starke soziale Netzwerke, die zum Ausschluss, ja zur Verfolgung von Menschen anderen Glaubens, Geschlechts oder anderer Hautfarbe aufrufen. Soziales Kapital muss daher als politisches Leitbild von den Grundsätzen der Demokratie und Toleranz durchdrungen sein.

zurück zur Übersicht