Wohlfahrtspluralismus / welfare mix

Beim „Wohlfahrtspluralismus“ handelt es sich um ein sozialwissenschaftliches Konzept, das beschreibt, dass es neben dem Staat weitere „Wohlfahrtsproduzenten“ gibt, die Wohlfahrtsleistungen erbringen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Begriff insbesondere als Reaktion auf die Dominanz der „Markt-Staat-Dichotomie“ in der Wohlfahrtsregime-Forschung zu verstehen. Der Wohlfahrtspluralismus geht davon aus, dass neben dem Staat der Markt, private Haushalte, soziale Gruppen (Nachbarschaft, Selbsthilfeinitiativen etc.) und gesellschaftliche Assoziationen, (z.B. Wohlfahrtsverbände, Vereine, gemeinnützige Stiftungen, Non-Profit-Organisationen) an der Wohlfahrtsproduktion beteiligt sind. Staat und Marktwirtschaft alleine sind demnach nicht in der Lage, die nötigen sozialen Dienste und sozialen Hilfen zu erbringen. Zwar sollte der Staat wesentlicher Träger sozialer Dienste und Einrichtungen sein, doch eine Zusammenarbeit der unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereiche ist unerlässlich – daraus ergibt sich ein Mix aus institutionellem und informellem sowie bezahltem und unbezahltem Handeln und eine neue Verantwortungsteilung zwischen Staat und Bürger, der einen Klienten- und Konsumentenstatus verlässt. Bürgerschaftliches Engagement wird dabei zu einer wesentlichen Säule wohlfahrtsstaatlicher Aufgaben.

Weiterführende Literatur:
Adalbert Evers, Thomas Olk (Hrsg.): Wohlfahrtspluralismus. Vom Wohlfahrtsstaat zur Wohlfahrtsgesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag 1996
Franz X. Kaufmann: Varianten des Wohlfahrtsstaats. Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2004

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